AUTOFLUT AM GROSSEN AHORNBODEN Aktionstag von Mountain Wilderness Deutschland in der Eng Bei herrlichstem Oktoberwetter waren es am Tag der Deutschen Einheit wieder unzählige Autos, die den Weg durch das lange Risstal ins Herz des Naturschutzgebietes, bis in die Eng suchten. Die Parkplätze beim Alpengasthof Eng waren schnell überfüllt; die Autos parkten - wie immer an solchen Tagen - auf Böschungen, Waldwegen und Wiesen. Dass die Ahorne und damit das unvergleichliche Landschaftsbild durch die Abgase des Verkehrs und den Massentourismus gefährdet sind, kommt dabei wohl niemandem in den Sinn. So bedrohen sie ihr eigentliches Ziel, die ursprüngliche und urtümliche Natur des Karwendel. Derweil gibt es seit diesem Jahr mit dem RVO-Bus - ab dem Bahnhof Lenggries und abgestimmt mit dem Fahrplan der Bayerischen Oberlandbahn - erstmals eine echte Alternative zum Auto. Anlass genug für Mountain Wilderness Deutschland, die Autofahrer direkt anzusprechen. Vor den Kalkmauern des Karwendel, zwischen Parkplatz und dem asphaltierten Weg zu den Engalmen, postierten sich die Aktivisten mit einem riesigen gelbenTransparent und mit Faltblättern, auf denen sie für eine autofreie Eng warben. Eine bewusst provokante Forderung, die viele Besucher nicht unkommentiert stehen lassen konnten. In regen, meist freundlichen Diskussionen konnte MWD nicht nur Denkanstöße zum eigenen Verkehrsverhalten geben. Es wurde wieder einmal deutlich, dass es oft an der Information über die Möglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, mangelt. Schnell verteilt waren auch einige hundert der Faltblätter mit Wandervorschlägen und Busverbindungen, die die Alpenvereinssektionen München und Oberland eigens für die Wiederbelebung der Busverbindung in die Eng veröffentlicht haben. Für Unmut sorgte diese äußerst friedliche Aktion freilich bei den Wirten des Alpengasthofs Eng und der Engalinen: Sie drohten unverzüglich mit der Polizei oder gar mit einer Watschn für dieAktivisten. Hier im hintersten Winkel des Risstals ist die bitter nötige Verkehrswende wohl immer noch ein Fremdwort. Eines aber war sicher an diesem Tag, das haben die Autofahrer unfreiwillig bewiesen: Die Verkehrswende macht Spaß, bringt unendlich mehr Qualität und Freiheit als unser aktuelles Auto-Frust-Modell: Der Bus stand morgens an der Mautstation - im Gegensatz zu den vielen Autos - nicht im Stau, die Bahn brauste abends an endlosen Autoschlangen vorbei durchs Isartal Richtung München. Die Fahrgäste johlten. mp