Tansania mit Besteigung des Kilimanjaro


Von Heinz Braun - Verfasst am 31. Januar 2001

Ein lang ersehnter Wunsch, den höchsten Wanderberg und höchsten Vulkan der Welt zu besteigen, wurde für mich wahr. Es war für einen Alpen-Wanderer ein wahnsinniges Erlebnis und kann jedem guten Wanderer mit sehr großer Ausdauer und guter körperlicher Verfassung empfohlen werden.
Doch hier für jeden der Erlebnisbericht, der entweder Interesse weckt oder ohne Kommentar zur Seite gelegt wird.

1. Tag: Machame Village - Machame Camp
Wir werden morgens um 9.00 Uhr im Hotel Aishi in Machame von unserem Fahrer "Zahoro" abgeholt. Unterwegs zum Gate laden wir noch unseren First Guide "Kennedy" auf und ab geht es mit dem Land Rover über Holperstraße zum Machame Gate. An einer Wellblechhütte ohne Glas in den Fenstern, in der prallen Sonne von 30 Grad liegend, erwirbt unser Guide noch etwas Fleisch für die Tour. Das Fleisch kommt in eine Papiertüte und wird zwischen die anderen offenen Lebensmittel in einem Bastkorb gelegt, den später ein Porter auf dem Kopf balancierend den Berg hinauf schleppt.
Nachdem wir uns in das Bergbuch mit Namen und Passnummer eingetragen haben, kann der lang ersehnte Aufstieg beginnen. Der Trail beginnt bei 1800 m. Wir durchlaufen 1200 Höhenmeter Regenwald. Wie der Name schon sagt, begann es auch unmittelbar zu regnen. Der Weg verjüngt sich von Straßenbreite auf einen halben Meter - diese Breite soll in Zukunft auch beibehalten werden. Der Wald wird schlagartig finsterer. Riesenfarne, Moospolster an Bäumen und Ästen nehmen zu, im hellen Flechtenvorhang glitzern Wassertropfen.
Der Steigungsgrad verdoppelt sich nun und erreicht weit über 20 Prozent. Umgestürzte Bäume versperren den Weg, alles ist lehmig, nass und rutschig.
Nach der Lunchpause um ca. 15.00 Uhr gehen wir noch zwei Stunden zum Machame Camp auf 3000 m. 1200 Höhenmeter für den ersten Tag sind schon reichlich. Das Camp besteht aus einzelnen Zelten, die von den Porters hochgeschleppt wurden. Unser kleines Zwei-Mann-Zelt ist bei unserer Ankunft bereits aufgebaut. Die mitgenommene Wassermenge ist ausgetrunken und wir warten ab, was uns die Burschen kochen werden. Es gibt eine Instandsuppe, Spaghetti, Kartoffeln, eine Fleischsauce und hinterher natürlich frisches Obst. Es ist uns ein Rätsel, was die Männer auf einem Gaskocher alles produzieren können.

Der Abend wird nicht lang, denn gleich nach Sonnenuntergang wird es stockdunkel und die Batterien aus der Stirnlampe müssen für den Aufstieg gespart werden. Zwei Isoliermatten habe ich als Unterlage mitgenommen. Doch erst hier merkt man, was eine gute Matratze wert ist. Der Untergrund ist steinhart und ich denke, dass ich keine Minute geschlafen habe; doch Gerd, mein Mitwanderer, belehrt mich eines Besseren.

2. Tag: Machame Camp - Shira Camp
Um 7.00 Uhr ist das Frühstück angesagt. Es gibt Kaffee oder Tee, Weißbrot, Margarine, Honig und Obst. Uns wird sogar noch Rührei nachgereicht. Wir essen alle Mahlzeiten im kleinen Spitzdachzelt auf dem Boden in fast liegender Stellung. Eine etwas unbequeme Nahrungsaufnahme.

Ich bitte unseren Bergführer "Kennedy", das Wasser mindestens 5 Minuten zu kochen. Nach dem Abfüllen in die Flaschen kommt noch eine Entkeimungstablette hinzu, und nach zwei Stunden ist das Wasser auch für einen Mitteleuropäer trinkbar. Bei nun bereits sehr warmen Temperaturen beginnt der Weitermarsch. Nach gut der Hälfte der Tagesstrecke beginnt es zu tröpfeln und innerhalb weniger Minuten fällt ca. 5 cm Hagel. Wir versuchen unter einem Felsvorsprung Schutz zu suchen. Während wir hier ausharren, laufen die Träger schwer beladen mit Sandalen, löchrigen Socken und ungenügender Regenschutzkleidung durch die Hagelschauer. Die Männer - 15 bis 25 Jahre - tun einem leid. "Kennedy" treibt uns zum weitergehen. Es blitzt und donnert, bis wir nach weiteren zwei Stunden im Shira Camp in unser Zelt kriechen können. Nass bis auf die Haut, durchgefroren und hungrig liegen wir auf dem nackten Zeltboden. Wir werden jedoch umgehend mit frischem Popcorn und heißem Tee verwöhnt. Der Hagel hat nachgelassen. Wir können den Kilimanjaro gut sehen. Aber vom Tal her kommt erneut Nebel hoch. Bis jetzt sind wir wettermäßig noch nicht verwöhnt worden.

Mit dem heutigen Abendessen hat sich unser Koch selbst übertroffen: Chicken mit Risi-Bisi und Schmorgemüse. Als Nachtisch war frische Ananas angesagt. Nach Einbruch der Dunkelheit liegen wir im Zelt auf 3800 m, die ersten Kopfschmerzen setzen ein, Übelkeit und Brechreiz. Aber Gott-sei-Dank, wir haben uns nichts gefangen; es sind allerdings erste leichte Anzeichen von einer Höhenkrankheit.

3. Tag: Shira Camp - Barranco Camp
Vom Shira Camp zum Barranco Camp laufen wir sieben Stunden. Es geht mir total "beschissen". Als Tageshöchstpunkt nehmen wir die Höhe von 4500 m, steigen zum Schlafen allerdings auf 3900 m ab. Wir bewegen uns auf einer Höhe zwischen Heide/Moorland zur Steinwüstenzone. Hier dominieren Strohblumen, Grasbüschel, Blüten und Senecien.
Am Southern Summit Bound gehen wir in die sogenannte schwarze Wüste. Ein Gebiet, das mit Millionen von schwarzen, teilweise haushohen Steinbrocken übersät ist. Das Barranco Camp ist ein großes, schönes Camp am Grund des Barranco Valley am Fuß des Kibo. Seit man sich nicht mehr vorwärtsbewegt, spürt man die eisige Kälte, die vom Kilimanjaro herabsinkt. Gegen Abend klart es auf. Unter uns liegt die heiße und staubige Stadt Moshi, ca. 3400 m tiefer und etwa 60 km entfernt - ein schöner Anblick. 4. Tag: Barranco Camp - Barafu Camp
Bedingt durch das sehr schlechte Wetter müssen wir die Route etwas ändern. Nicht das eigentlich angedachte Tagesziel, das Karanga Camp, sondern das Barafu Camp auf 4600 m ist das Ziel. Über den Mweka Trail, ständig bergauf, bergab und Bächlein überspringend nähern wir uns nach 9 Stunden dem Barafu Camp, das südlich vom Kibo liegt. Hier oben auf 4600 m (Montblanc 4807 m) regnet es ab und an während der Trockenzeit. Innerhalb der Regenzeit schneit und hagelt es oft. Die ewiglange Stalperei geht weiter. Entschädigt werden wir durch die Blicke auf die Pare-Berge, den Mount Meru, den Mawenzi und natürlich den Kibo. Unsere Porters haben bei unserer Ankunft bereits die Zelte aufgeschlagen. Der Anblick des Camps erschlägt. Steinwüste wohin man blickt. Der Sturm zerrt an den Zelten und den Nerven. Die Toilettenhäuschen stehen über einem Abgrund und weit und breit ist nichts Lebendiges mehr zu sehen. Unser Koch bereitet noch ein kohlehydrathaltiges Essen zu. Doch ich bekomme auch am vierten Tag der Besteigung nur wenige Bissen herunter. Der Kopf schmerzt; dagegen hilft ein Aspirin, das natürlich vor dem Gipfelsturm genommen wird.

Nach der Besprechung packen wir noch alle Sachen, die dringend nötig sind für die Besteigung. Ganz oben im Rucksack liegen die Ersatzbatterien für die Stirnlampe und natürlich der Fotoapparat. Alles Warme wird für den Morgen zurechtgelegt. Wir kriechen zwar um 20.00 Uhr in den Schlafsack aber wer kann vor solch einem einmaligen Erlebnis schon schlafen.

5. Tag: Barafu Camp - Uhuru Peak
Aufstehen gegen 23.30 Uhr, in die warmen Kleider schlüpfen, schnell noch soviel Tee wie möglich trinken und ab geht es. Um Mitternacht ist Abmarsch zum Uhuru Peak auf 5895 m. Der von uns gewählte Anstieg (direkt zum Uhuru Peak, nicht über Gilmanns Point) ist wesentlich steiler und anstrengender als
der von der Kibo-Hütte, da er in ziemlich gerader Linie und nicht in Serpentinen aufwärts führt. Wir steigen fast die ganze Zeit über Schnee und festgefrorenem Untergrund. Der Himmel ist sternenklar, es ist eiskalt und sechs Stunden Aufstieg sind zu tätigen.

Gerd und ich, "Kennedy" und der zweite Führer kommen trotz allem ganz gut vorwärts. Je höher man kommt, um so schwieriger wird es, weiterzugehen und ruhig zu Atmen. Ich nehme mir vor, nur 50 Schritte zu gehen, um dann stehen zu bleiben und die Lungen voll Sauerstoff zu tanken. Der Begleiter sagt immer: "Slowly, slowly"; und sobald er merkt, dass mein Atem ruhiger wird, heißt es: "Go, go". Ein netter Typ! Um 6.05 Uhr erreichen wir den höchsten Punkt Afrikas und den höchsten Krater der Welt. Ich war und bin mächtig stolz, dort oben gewesen zu sein.

Nach den üblichen Aufnahmen und Beglückwünschungen erleben wir einen unvergesslichen Sonnenaufgang über Ostafrika. Trotz guter und warmer Kleidung froren alle. Minus 20 Grad zeigte das Thermometer, dazu eisiger Sturm und in der Nachbarschaft riesige Gletscher - und das direkt am Äquator.

Unser Führer treibt uns zum Abstieg. Über mittlerweile weich gewordenen Schotter und Geröllhalden steigen wir nun am Rebmann-Gletscher vorbei Richtung Mweka Camp. Nach vier Stunden und 1300 m bergab lege ich mich im Zelt auf den nackten Boden und schlafe sofort ein. Eine heiße Suppe, die 30 Minuten später gekocht wurde, konnte ich dann wieder essen und die Lebensgeister kehrten langsam zurück. Die 1300 m Abstieg sollten erst der Anfang sein. Weitere 1600 m Abstieg waren noch abzulaufen. Aber wir hatten den Gipfel geschafft - da konnten uns auch die insgesamt 2900 m Abstieg keinen Schrecken einjagen. Um 19.00 Uhr lagen wir im Zelt und waren halb tot.

6. Tag. Mmeka Camp - Machame
Zum Frühstück esse ich nur zwei Scheiben Ananas und trinke nichts. Der Abmarsch zu Tal durch den Regenwald beginnt. Drei Stunden laufen durch ausgewaschene Lehmwege mit tiefen Wasserrinnen kann auch zum Abschluss noch anstrengend sein. Jetzt wollen wir nur noch unsere Urkunde und eine Dusche. Zu der Urkunde kommen wir dann am Gate. Wie zeigen wieder unsere Ausweise und erhalten die Zertifikate mit einem Glückwunsch ausgehändigt. Mit unserer Mannschaft trinken wir noch zwei Bier, machen die üblichen Fotos und verabschieden uns von unseren lieben Freunden. Am Gate wartet mittlerweile auch unser Land Rover mit unserem Führer "Zahoro", der uns zum Aishi Hotel nach Machame bringt. Wie schön eine heiße Dusche sein kann, sollte sich jeder Lesende vorstellen können.
Trotz der ganzen Anstrengung, der leichten Höhenkrankheit, den ungewohnten Schlafgegebenheiten, der Kälte und der Nässe war der Kilimanjaro eine Reise wert.

Mein ganz besonderer Dank gilt Gerd, der während der Tour ein echter Freund und Kamerad wurde und auf den immer Verlass war. Herr Kinasha, dessen Agentur ich nur empfehlen kann. Er hat alles hervorragend organisiert und in die Wege geleitet.

Näheres über den Veranstalter, Herr Kinasha, Firma Tantours, kann bei mir erfragt werden.

Heinz Braun
Januar 2001

Ort

Ort:
Kilimanjaro / Kilimandscharo
Tansania
3° 4' 32.9988" S, 37° 21' 11.9988" E