Im Gipfel-Slalom durchs Ahrtal


Von Trudi Spiering - Verfasst am 30. September 2011

TÜV für Klettersteigfreaks und Hochtourengeher

Ginster

Endlich - ein neuer Bergsommer steht vor der Tür. Die Anmeldungen für Touren sind gelaufen, die Vorfreude auf Klettersteigadrenalin und Gipfelglück stellt sich ein. Doch halt: Erst mal zum TÜV, Mensch und Material waren im Winterschlaf und müssen vorm Start gecheckt werden! Wer sich für Huberts Touren entschieden hat, geht im alpinen Ahrtal auf die Teststrecke.

Burg Are 

Der Startschuss fällt um 10.00 Uhr am Bahnhof Altenahr. Bei sommerlich strahlender Sonne absolvieren wir, das sind Sabine, Hans, Martin, Gerd, Jürgen und Trudi (Autorin dieses Textes) auf dem Weg zur Burg Are die ersten 170 Höhenmeter mit Leichtigkeit.

jenseits der Burgmauer  verwachsene Wege  Wir lassen Burg Are hinter uns

Einmal die Burgmauer überwunden, beginnt das Abenteuer. Spannende Klettereien über felsige Passagen, "Dornröschen-Wege" (natürlich mit echten Dornen), vermooste Wurzelpfade, ausladendes, um sich greifendes Geäst - kein Wunder, dass da schon mal was verloren geht; Materialschwund: ein Teil vom Trekkingstock konnte nicht wiedergefunden werden.

Auf dem Weg Nördlicher Engelsley Gipfel Nördl.Engelsley zum Gipfel südl. Engelsley

Ansonsten keine Schäden, aber um 2 Gipfel und 1 Gipfelkreuz reicher! Der nördliche Engelsley (280 m) und der südliche Engelsley (290 m) liegen hinter uns, da streben wir - beinahe immer ein Liedchen auf den Lippen - dem Schrock (405 m) entgegen. Die von stürmenden Böen umgebene Schutzhütte lädt zur ersten Pause und zur Orientierung im Gelände ein - da waren wir schon - da müssen wir noch hin.

Unser nächstes Ziel: Der Teufelsley (319 m), auch dieser Gipfel ist nur über eine felsige Kletterpartie zu erreichen und auch nur ein Zwischenstopp auf unserer Teststrecke.

Was wäre das Ahrtal ohne Weinberge? Auf geht's - die Sonne brennt - die Socken qualmen - der Schweiß treibt - der Wein braucht nun mal die Sonne - aber braucht der Wanderer die Weinberge? Wer bis hier nicht geschwitzt hat, der kann sich auf dem Weg zum Ümmerich (311 m) im Schweiß baden. Schwimmend, aber ohne körperliche Schäden wurde auch dieser Gipfel von uns besetzt.

Die Gipfel des östlichen Ahrtals waren nun abgegrast, der Tag noch nicht zu Ende, die Kondition noch lange nicht beim Abwinken. Beginnen wir wieder in Altenahr und steigen auf zum Teufelsloch, ein Touristen-Highlight, wobei wir den Abstecher zum »Schwarzen Kreuz« einsparen.

Und wieder einmal geht's bergauf, aber um das Ganze zu toppen, wählen wir nicht den Panoramaweg, sondern den schmalen Felsgrat und greifen das Teufelsloch sehr zur Verwunderung der anwesenden Spaziergänger-Wanderer über dem Grat an und klettern von oben und hinten durchs Nadelöhr. Mit Bravour haben wir diese luftige Kletterei souverän hinter uns gebracht und uns damit für jeden kommenden Klettersteig qualifiziert. Beim Abstieg in Schwung gekommen, haben wir schon den Hornberg (388 m) erklommen.

Das Wandern im ebenen Gelände haben wir am herrlich schattigen Uferweg der Ahr testen und genießen können, deren Verlauf wir bis Kreuzberg folgten. Auf den einfachsten Strecken passieren die seltsamsten Sachen, schon wieder Materialermüdung am Trekkingstock, die Handgriffarretie-rung löst sich und fliegt wie ein Springteufel fast in die Ahr.

Unsere letzte Hürde -kann man bei unserer konditionellen Lage überhaupt von »Hürden« sprechen? - also unsere letzte Bergkuppe war der Ditschhardt (354 m). Hier stellte sich ein vollkommen neues Problem, die Wegführung in der Natur ist eine ganz andere als in der Karte!? Aber auch die Orientierung im weglosen (?) Gelände haben wir dank Huberts 7. Sinn, der Wanderkarte, dem Stand der Sonne und unserer Funktion als Beraterteam bestens gelöst und unseren letzten Aussichtspunkt an der Seilbahn gefunden. Hier gab es den 8-Gipfel-TÜV-Stempel für alle und dann ging es nicht mit der Seilbahn ins Tal!

So ein Glück! Die Pommes-Bude ist um 17.00 Uhr noch nicht ausverkauft und von hier aus haben wir uns das auf dem Weg zum Teufelsloch ausgelassene »Schwarze (Gipfel-)Kreuz« von unten angesehen. Nun ist klar warum wir diesen Gipfel gemieden haben, der Anblick der Pommes-Bude hätte uns schwächein lassen und uns womöglich mit der Macht der Gewohnheit magisch angezogen.

TÜV-Abschlussbericht: Die Teilnehmer befanden sich zum Zeitpunkt der Feststellung in bester Verfassung, bergtauglich, klettertauglich, konditionell gut vorbereitet. Materialermüdung wurde in 2 Fällen festgestellt, die Ausrüstung muss in diesen Fällen erneuert werden.

Noch ein paar Daten: Tourlänge: ca. 25 km, Höhenmeter: ca. 1300 Hm, reine Gehzeit: fast 6 Stunden.

Standort

Standort:
Ahrtal
Deutschland
50° 31' 59.9988" N, 7° 4' 0.0012" E