Durch die Pala - Dolomitentour 01. - 08. September 2002


Von Lothar Thorissen - Verfasst am 18. Januar 2003

Wieder unser Team:
Karl Wehr - Lothar Thorissen - Wilfried Thorissen

Am Rifugio Bruto Carestiato
Am Rifugio Bruto Carestiato (1.834m) an der Moiazza Südwand (2.878m)

Tourenübersicht

  • Aufstieg vom Parkplatz Malga Canali (1.302m) - Nähe Cant del Gal - zum Rifugio Treviso (1.631m) - 0,50 Std, ~300 Hm

  • Vom Refugio Treviso Aufstieg auf Weg 707, weiter Aufstieg zum Einstieg der Via ferrata Fiamme Gialle bis zum Bivacco Reali (2.595m), bis zu den Gipfelzacken der Cime Vani Alti (2.728m), dann Abstieg über den Sentiero dei Vani Alti und auf Weg 707 zurück zum Rifugio Treviso - bis Bivacco Reali ~3 1/2, insgesamt 7 Std, ~1.100 Hm

  • Vom Rifugio Treviso Abstieg bis Malga Canali (1.302m), weiter bis Malga Pradidali (1.428m), Aufstieg auf Weg 709 durch das Val Pradidali bis zum Rifugio Pradidali (2.278m), 4.15 Std, ~1.000 Hm

  • Vom Rifugio Pradidali (2.278m) zum Einstieg der Via ferrata del Portòn bis zum Passo Portòn (2.480m), weiter über den Sentiero Nico Gusella bis zur Forcella Stephen (2.750m), Abstieg zum Passo di Ball (2.443m) und auf Dolomitenhöhenweg Nr. 2 (Weg 715) zum Rifugio Rosetta (2.580m), bis Passo Portòn knapp 2 Std, bis Passo di Ball 2 1/2 Std, insgesamt knapp 6 Std, ~ 850 Hm

  • Vom Rifugio Rosetta ( 2.580m) über Dolomitenweg Nr. 2 (Weg 715) bis zum Rifugio Pradidali (2.278m), weiter Abstieg über Weg 709 bis Malga Canali (1.302m) zum Auto, ~ 4 1/2 Std, ~ 1.300 Hm Abstieg, Fahrt zum Passo Duran (1.601m) und Aufstieg zum Rifugio Bruto Carestiato (1.834m) an der Moiazza Südwand, 0.45 Std, 250 Hm

  • Vom Rifugio Bruto Carestiato (1.831m) auf Dolomitenhöhenweg Nr. 1 (Weg 554) über die Forcella del Camp (1.932m) bis zur Forcella dell Orso (1.830m), zurück zum Rifugio Bruto Carestiato und Abstieg bis Passo Duran zum Auto, 4 1/2 Std, 300Hm, Fahrt nach Belluno zum Albergo Delle Alpi 

Tourenbericht

1. September 2002

Es ist endlich wieder so weit. Nachts um 3.00 Uhr geht es mit Lothars Auto Richtung Süden. Endlich wollen wir mal etwas mehr von der Pala sehen. Wir kommen sehr zügig bis 10.30 nach Bozen. Von dort zieht sich der Weg etwas, weil unser Ausgangspunkt Cant del Gal, südlich von San Martino di Castrozza, doch recht weit von der Autobahn entfernt liegt. Zwischendurch frühstücken wir im Freien und verspeisen Teile unseres Proviants. Schließlich gab es bei Geburtstagsfeiern am Vorabend kalte Büfetts. Schweinebraten bis zum Abwinken!

BrotzeitBei bewölktem Wetter kommen wir an, verstauen unseren reichlichen Proviant in die sowieso schon vollen Rucksäcke und steigen zum Rifugio Treviso (1.631m) im südlichen Palagebiet auf. Nach knapp einer Stunde ist die Hütte erreicht. Teile des mitgebrachten Kuchens werden verspeist; auch abends bestellen wir nur wenig; Beilagen zu unseren mitgebrachten Hähnchenkeulen! Der Hüttenwirt trägt es mit Gelassenheit.

2. September 2002

6.30 Uhr Frühstück. Nur Kaffee - Latte. Wir haben ja noch reichlich Kuchen... Der Wirt wundert sich schon nicht mehr.

Die Sonne scheint und wir marschieren froh gelaunt auf dem Weg 707 Richtung Via ferrata Fiamme Gialle. Wir gehen Richtung Canali-Pass. In einer Höhe von ca. 2.050m zweigen wir ab und steigen steil in den Vallon del Coro.

Am Einstieg zum Vallon del Coro
Am Einstieg zum Vallon del Coro

Bis zum Einstieg sind wir 2 1/2 Std unterwegs. Es folgt der recht kurze, aber steile Steig. Gut gesichert geht es an fast senkrechter Wand hinauf zur Forcella Marmor. Die folgende Schlusswand läuft am Drahtseil ca. 50 Höhenmeter zum Ausstieg in die Marmolscharte (2.519m). Kurz später öffnet sich die Bergwelt und wir erkennen teilweise die Cime del Marmor, die Croda Grande und die Vani Alti. Am Bivacco reali (2.550m) legen wir eine Rast ein. Wir sind knapp 3 1/2 Stunden unterwegs. Leider ist zwischenzeitlich Nebel aufgezogen. Die Sicht ist nicht mehr so toll und zum Rasten ist es auch recht kühl.

So steigen wir weiter völlig einsam - auf der ganzen Tour begegnen wir nur 2 Bergsteigern - zum Kamm der Vani Alti (2.728m). Der Sentiero dei Vani Alti leitet in einen felsummauerten Kessel. Es geht vorbei am Sasso d´Ortiga (2.634m), einem recht bekannten Klettergipfel. Die geplante Ferrata Bagnin ist nie realisiert worden. So steigen wir ungesichert über schmale ausgesetzte Felsbänder bis zum Schwierigkeitsgrad II. Plötzlich eine Stelle die uns an sich zum Umkehren anregt. Aber alles wieder zurück? Allen Mut zusammengenommen und weiter. Na also, von nahem sieht es schon verträglicher aus! Schließlich mündet der Steig auf dem quer verlaufenden Weg 707 und auf bekanntem Weg geht es zurück zum Rifugio Treviso. Nach 7 Stunden sind wir wieder dort. Wir sitzen in der Sonne auf der Hüttenterrasse und genießen bei einem Cappuccino wieder unseren immer noch vorhandenen Kuchen. Die Sonne verleitet uns auch noch zu einem Bier und zur Beobachtung anderer Hüttenbewohner. So "Mütze", der alles kennt und schon gemacht hat, jedoch schnell das Thema wechselt, wenn man ihn mit selbst bekannten Einzelheiten konfrontiert. Auch eine große Gruppe "Banker", deren Leiter alle Alpenvereinsausweise auf der letzten Hütte vergessen hat und wohl noch Monate darüber sinnieren wird, wie ihm ein solcher Fauxpas nur passieren konnte.

Via ferrata Fiamme GialleDa wir Karl bereits seit längerer Zeit von dem sehr schwierigen Hüttensteig, der Ferrata del Canalone erzählt hatten, fand er keine Ruhe. Plötzlich, still und leise begann er sich kletterfertig zu machen. Lothar verspürte ebenfalls noch Tatendrang und so schlenderten beide zum nahen Einstieg. Beobachter waren garantiert, weil man den Steig von der Hüttenterrasse einsehen kann. Über den Pfeiler geht es steil, aber bestens gesichert senkrecht hinauf. Dann folgt der Ausstieg über einen am Steilfels verankerten Baumstamm. Bei diesem Steig muss man entweder penibel kleine Tritte suchen oder eben den Bizeps einsetzen.

Wir können weiter bei recht gutem Wetter vor der Hütte ein Bier trinken. Die Hütte füllt sich vollends. Nach einem sehr guten Essen machen wir für die nächste Essensschicht Platz und gruppieren uns um einen Kamin und genießen noch Grappa und Wein.

Via ferrata Fiamme Gialle

Rifugio Treviso
Rifugio Treviso

3. September 2002

Am Vorabend hat es angefangen zu regnen. Während des Frühstücks, die Kuchenvorräte sind verbraucht, regnet es weiter. Es sieht nicht berauschend aus. Doch so gegen 9.00 Uhr ist es trocken, jedoch weiter wolkenverhangen. Wir steigen auf dem Weg 707 zur Malga Canali ab. Es geht durch einen wunderschönen Wald. Karls Herz geht auf, Pilze in allen Variationen! Weiter zur verfallenen Malga Pradidali und von dort über Steig 709 steil aufwärts zum Rifugio Pradidali. 

Waschgelegenheit im Rifugio Pradidali
Waschgelegenheit im Rifugio Pradidali

Um 13.15 Uhr sind die gut 900 Höhenmeter geschafft. Nebel zieht auf und es ist recht kalt. Karl und Lothar streifen noch etwas durch die Gegend. Abends gibt es Spaghetti, Kartoffeln mit Gulasch und getrunken haben wir auch etwas...

4. September 2002

Ein wirkliches "Sparfrühstück" kann uns die Stimmung nicht vermiesen. Die Kanten Weißbrot sollen uns über die Berge tragen? Die Sonne scheint. Voller Vorfreude ziehen wir los zum Einstieg der Ferrata del Porton. Dieser Eisenweg verläuft im Herzen der wilden Pala. Zunächst zum nahen steilen Graben, der den Pradidali-Kessel von der Cima di Ball trennt. Am Fuß der Cima geht es los! Senkrechte Klammerreihen und Krampen senkrecht übereinander an der dunklen, feuchten Felskante lassen uns die ersten hundert Höhenmeter meistern. 

Via ferrata del Porton
Via ferrata del Porton

Unter einem weit ausladenden Dach aus schwarzem Fels traversieren wir Richtung des exponierten südostseitigen Wandfelsens der Cima di Ball. 

Querung an der Ferrata PortonQuerung an der Ferrata Porton
Querung an der Ferrata Porton

Über kaum fußbreite Felssimse mündet der Steig in gewagter Abwärtsquerung in einer düsteren Geröllschlucht, die mühsam und extrem steil zu einer namenlosen Forcella führt. Dort öffnet sich unvermittelt an einem wundervollen Rastplatz der Blick auf die bekannte Schleierkante. Wir haben den Steig bei tollem Wetter genossen. Vom tief unter uns liegenden Weg 709 hatten wir die ganze Zeit Zuschauer. Wir haben Zeit und Muße "gewagte" Fotos zu schießen. Knapp 2 Stunden sind wir unterwegs. Es ziehen Wolken auf. Wie gehen wir weiter? Letztendlich entscheiden wir uns für den Sentiero Nico Gusella. Über felsdurchsetzte Edelweißwiesen (hat die jemand ausgesät?) steigen wir aufwärts bis zur Forcella Stephen. Nur teilweise gesichert geht es über die stark gegliederte Westflanke der Cima di Ball. Nun weiter am Drahtseil gesichert über weitere Platten steil hinunter zum Passo di Ball. Wir haben Glück im Pech. Der Regen setzt erst am Ende der steilen glatten Platten ein. Das wäre sonst nicht so recht lustig gewesen! Wir stoßen auf den Dolomitenweg Nr. 2 und gehen bis zum Rifugio Rosetta. Der Regen hält sich in Grenzen. Gegen 14.45 Uhr sind wir am Rifugio.

Rifugio Rosetta
Rifugio Rosetta

Lothar lässt sich vom "Eiswürfelwasser" nicht schrecken und wäscht sich die Haare. Nur die Harten kommen in den Garten!

Im Gastraum, was sehen wir? Weizenbier vom Fass! Ein Genuss! Na, die Seilbahn von San Martino di Castrozza ist halt in der Nähe. Später gibt es noch ein wahrlich gutes Essen, was sage ich, ein Menü. Spaghetti, Polenta, Gulasch mit Gemüse, Tiramisu, Grappa, Rotwein, Grappa...

5. September 2002

Kein Wetterglück. Die via ferrata Stella Alpina können wir vergessen. Diese Königstour hätten wir nur bei wirklich sicherem Wetter gemacht. Na, es kann nicht alles klappen. Also gehen wir bei wolkigem Wetter von der am Westrand der Pala-Hochfläche inmitten weiter glattgeschliffener Karrenfelder liegender Rosetta Hütte auf dem uns bekannten Dolomitenweg zum Rifugio Pradidali. Kurz vor dem Passo di Ball ergibt sich ein mehr als halbkreisförmiges Felsenrund von unvergleichbarer Großartigkeit. Campanile di Pradidali, Val-di-Roda-Kamm. Die Pala ist einfach noch steiler, wilder und ausgesetzter als die übrigen Dolomiten.

Nach einem Cappuccino auf der Hütte steigen wir weiter auf dem uns vertrauten Weg 709 bis Malga Canali ab, wo unser Auto wartet. Im Wald kann Karl wieder seine Pilzkenntnisse ausspielen.

Wilfried verlieren wir dabei ab und zu aus den Augen. Schnell und behende wie "Schmitz Katze" ist er dieses Jahr unterwegs. Öfter hat er uns mit dem Spruch überrascht: "Ich geh schon mal vor, ihr seid ja doch schneller!" Aber wieder einholen war mühsam.

Nach einigem Überlegen fahren wir zum Passo Duran und wollen noch eine Nacht auf eine Hütte verbringen. Mehr zufällig fällt unsere Wahl auf das in 45 Minuten zu erreichende Rifugio Bruto Carestiato am Fuße der Moizza-Südwand. Erst dort bemerken wir, dass die Hütte direkt am Einstieg des bekannten Constantini - Supersteigs liegt. Wir haben zwar schon einiges über den Steig der Superlative gelesen, aber er lag bisher immer völlig außerhalb unserer Reichweite. Den Einstieg haben wir natürlich gemustert. Wow! Dazu die 1000 Meter hohe Wand der Cima delle Masenade! Dieses Jahr reichen weder Zeit noch ist das Wetter gut genug. Aber wir haben Blut geleckt...

Drei - Stock - Betten im Rifugio Bruto Carestiato Die Sonne beglückt uns und wir können noch einige Zeit vor der Hütte verbringen. Uns bisher völlig unbekannte Berge zeigen ihre Spitzen. Karnische Alpen - Bosconerogruppe - Tàmergruppe - Monte Talvena - Schiara - Monte Zèlo - Monti del Sole - Feltriner Dolomiten - Cimonegagruppe - Vette Feltrine.

Der Abend endet in Drei-Stock-Betten. Die Hüttenruhe zieht sich noch etwas hinaus, weil eine 12-köpfige, nicht mehr ganz jugendliche Frauengruppe, ihre spätpubertäre Phase durchlebt und aus dem Kichern nicht mehr heraus kommt.

Drei - Stock - Betten im Rifugio Bruto Carestiato

6. September 2002

Trotz einiger dunkler Wolken wird es immer sonniger. Wir wollen noch ein ganzes Stück auf dem Dolomitenweg Nr. 1 Richtung Norden gehen, dann absteigen und Richtung Belluno fahren. So steigen wir bis zur Forcella del Camp mit wundervollem Blick auf die Cima delle Masenade. Ein toller Berg, und dort verläuft der Supersteig. Er geht uns, obwohl nicht so richtig ausgesprochen, nicht aus dem Kopf. Einsame Täler öffnen sich, ein einsamer Schäfer mit seiner Herde zieht seine Bahn. Ein Leben aus einer anderen Welt. 

Albergo delle Alpi Der Tag ist noch jung und wir gehen noch weiter bis zur Forcella Col dell Orso. Wie erhofft. Von hier ergibt sich ein Prachtblick auf die Civetta. Bisher kennen wir sie nur von Norden. Fern hinten erkennt man die Vazzoler-Hütte. Wir gehen zurück und steigen bis zum Duran-Pass ab. Wir sortieren unser Gepäck und fahren nach Belluno. Lothar wollte hier immer schon mal hin. Bisher immer zu weit südlich. Schnell finden wir eine Unterkunft. Nach dem bisherigen Verlauf nicht ganz standesgemäß. Albergo delle Alpi, 3 Sterne, Lions-Club.

Das Hotelduschzeug wird gnadenlos benötigt. Irgendwie haben wir das Gefühl nach ein- bis zweimaligem Waschen immer noch nicht stadtrein zu sein.
Die Stadt wird erkundet, ein Wein im Straßencafe, am Abend haben wir eine gute Pizzeria gefunden. Aber was ist das? Regen! Von wegen laue Spätsommernacht in südlichen Gefilden. Nach einigem Suchen haben wir jedoch noch eine Kneipe gefunden. Gaffel-Kölsch, anscheinend selbstverständliches Getränk hier. Wir haben unser Bestes für das Kölner Exportgeschäft getan. Es hat auch weder uns noch die Belluneser gestört, dass wir den Altersdurchschnitt etwas angehoben haben.

Karls "Gaffel - Kölsch - Schlaf"
Karls "Gaffel - Kölsch - Schlaf"

7. September 2002

Eine lange Heimfahrt findet am Abend ihr Ende.

Nächstes Jahr wollen wir wieder los, wegen der späten Sommerferien diesmal im Juli. Eigentlich eine Zeit für einen Supersteig...

Lothar Thorissen
im September 2002

mit einem Dank an 
Karl u. Wilfried 
für die bisherigen
harmonischen Touren
 

Standort

Standort:
Pala
Italien
46° 16' 0.0012" N, 11° 52' 0.0012" E